Adventliches Liedersingen bei Zwickau zeigt Herz - Bericht

Berichte vom diesjährigen Liedersingen bei Zwickau zeigt Herz.

„Zwickau zeigt Herz“ hieß es auch heute wieder ganz traditionell zum 3. Advent. Neben Künstler*innen des Theaters Plauen-Zwickau gab es wieder Unterstützung von der Gruppe Saitenspiel. Thematisch war die heutige Veranstaltung breiter aufgestellt als in den Vorjahren. So hatten etwa die Organisator*innen von Fridays for future Zwickau Gegelenheit, ihre Aktionen und Anliegen vorzustellen. Berührend der Beitrag von Ute Zschiedrich-Büning. Die heute 82jährige hat die Nazizeit noch am eigenen Leib erlebt und „hielt es nach dieser furchtbaren Erfahrung für unmöglich, dass eine solche Ideologie nochmal so Raum greift“. Mit Gedichten unter anderem von Bert Brecht mahnte sie, wachsam zu sein. Sie äußerte die Hoffnung, dass wir Demokraten nicht nur mehr sondern auch Stärker sind als Rassismus und Menschenfeindlichkeit. Das „Wort zum Sonntag“ kam von Wolfgang Wetzel, der uns mitnahm in die Weihnachtsgeschichte (siehe unten).
Zum Abschluss gab es dann noch eine kleine Überraschung und wunderbare Unterhaltung mit Banda Internationale, die extra aus Dresden angereist waren. Es war schön, so viele bekannte Gesichter zu sehen, manche zum widerholten Male bei Zwickau zeigt Herz, andere zum ersten Mal. Auch Stadträt*innen der demokratischen Fraktionen, darunter Dr. Michael Luther, sowie OB Dr. Pia Findeiß und Baubürgermeisterin Kathrin Köhler waren dabei. Ich hoffe wir sehen uns alle im nächsten Jahr wieder!

Herzlichen Dank an alle, die heute auf der Bühne ihren Beitrag zum Gelingen des Tages leisteten und ganz besonderen Dank auch an den Organisator Tino Helbig.
Euch allen einen wunderbaren 3. Advent!

Rede von Wolfgang Wetzel:

„Ich wurde gebeten, zur diesjährigen „Zwickau zeigt Herz“-Adventsveranstaltung ein paar Worte aus Sicht eines Christen zu sprechen. Das tue ich gern. Mein Name ist Wolfgang Wetzel, ich bin katholisch.

Unsere Hoffnungen und Wünsche an eine gemütliche Advents- und Weihnachtszeit rennen der Realität ja alljährlich wieder ein wenig hinterher. Es gibt die wunderschönen besinnlichen Momente, so wie heute dieses Liedersingen. Aber es gibt auch viel Stress und Hektik, auch das gehört irgendwie zur Tradition.

Das allererste Weihnachtsfest, also die Geburt des Gottessohnes Jesus Christus nach christlicher Überlieferung, war jedoch auch nicht besonders gemütlich. Der Stress von Maria und Josef kam nicht von der Jagd nach Weihnachtsgeschenken, sondern weil sie nach Bethlehem hetzen mussten, wegen der Volkszählung. Und dann war dort alles ausgebucht, kein Platz für die hochschwangere Frau. Mit richtig Kohle in der Tasche hätten sie vielleicht noch was bekommen, aber Maria und Josef waren einfache Leute, Josef war Zimmermann, letztlich bekamen sie glücklicherweise noch einen Stall als Unterkunft, dort brachte Maria dann Jesus, den Sohn Gottes, zur Welt. So beginnt die Erzählung der christlichen Religion: Es geht nicht um Kohle und Luxus. Gott, der Allmächtige, wählt sich seinen Platz bei den einfachen Leuten. Und die ersten, die das mitkriegen, sind wiederum einfache Leute, prekär beschäftigte Niedriglöhner, nämlich die Hirten.
Und die Geschichte geht weiter: Es kommen dann ja auch noch die drei Könige oder die drei Weisen aus dem Morgenland, also aus Gegenden östlich oder südöstlich des damaligen Judäa, sie waren Sterndeuter, für die damalige Zeit sozusagen Vertreter der Wissenschaft und gleichzeitig auch Vertreter anderer Religionen. Sie besuchen die jüdische Familie im Stall von Bethlehem. Einer von ihnen hatte – der Legende nach – schwarze Hautfarbe. Die christliche Geschichte der Geburt von Jesus Christus ist somit auch eine Geschichte der Begegnung unterschiedlicher sozialer Milieus, interkultureller und interreligiöser Begegnung. Und die Weihnachtsgeschichte ist auch eine Migrationsgeschichte, eine Geschichte von Flucht und Vertreibung, denn wenige Tage nach der Geburt mussten Maria und Josef mit dem Baby auf die Flucht gehen, damals nicht Richtung Europa, sondern nach Ägypten. Die Fluchtursachen hatten damit zu tun, dass Leute mit Geld und Einfluss Angst hatten, dass sie Macht abgeben oder zumindest teilen müssten, und sowas mochten solche Leute damals genauso wenig wie heute. Deshalb trachteten sie dem Jesuskind nach dem Leben.

Das klingt alles nicht gemütlich, gehört aber zur christlichen Weihnachtsgeschichte. Völkische Ideen, Rassismus, Hass auf andere Religionen – all sowas passt nicht zur ursprünglichen christlichen Botschaft. Das wird man ja wohl noch sagen dürfen. Mut zur Wahrheit! Nationalismus ist antichristlich.

Ich wünsche allen einen gesegneten Advent und ein fröhliches Christfest!“

Links:

Video der Veranstaltung von Ralph Köhler: Video.
Bericht der Freien Presse: Freie Presse.