Zuhause bleiben!

Appell von Kathleen Kuhfuß angesichts der zurzeit immer noch steigenden Anzahl derCorona-Neuinfektionen in Deutschland, insbesondere in Sachsen.

In Ermangelung von Zeit, Personal und Materialien ist eine angemessene Versorgung aller, wahrscheinlich bald nicht mehr möglich. In solchen dramatischen Situationen dient eine Triage dazu, Behandlungsentscheidungen so zu treffen, dass möglichst viele Menschen überleben. Dabei werden Patient*innen nach der Schwere ihrer Erkrankung eingeteilt. Dadurch können Ärzt*innen und Pfleger*innen leichter entscheiden, wer zuerst behandelt wird.
Dies sind moralisch und ethisch höchst schwierige Entscheidungen, gerade wenn, wie aktuell, Beatmungsgeräte nicht mehr für alle Patient*innen ausreichen. Sollte eine Beatmung zugunsten jemand anderes gestoppt werden? Wer erhält eine Chance zu überleben?
Diese Triage gilt es zu verhindern. Leider scheint uns dies nicht zu gelingen. Da lässt sich nichts beschönigen. In den gestrigen Landtagsdebatten musste ich mir wieder anhören, dass der Lockdown aufgehoben werden soll, weil die Staatsregierung ja alle nur wegsperrt und damit zu Weihnachten die heilige Familie keinen Besuch der Hirten und Heiligen bekommen kann.
Im Chemnitzer Stadtrat musste ich gestern dann über einen Geschäftsordnungsantrag auf den notwendigen Ausschluss eines Stadtrates hinweisen, weil er keinen MNS tragen wollte und uns somit alle zu seiner temporären Infektionsgemeinschaft gemacht hat.
Für mich stellen sich die Verbindungen deutlich dar. Dort, wo sich Menschen auch im privaten an die Regeln halten, können Infektionszahlen sinken, dort, wo 15 % oder gar mehr Menschen Corona leugnen und die Maßnahmen ablehnen, wird sich die dramatische Situation nicht entspannen. Wie ungerecht dann die Auswirkungen eines solchen Verhaltens sind, zeigt sich dann daran, dass die Erkrankten eben nicht immer auch diejenigen sind, die Abstand, Anstand und Maske verweigern.
Ob Zittau die Triage angewendet hat oder nicht, werden wir die nächsten Tage erfahren. Diese Entscheidungen sind menschlich hart und haben auch wirtschaftliche Auswirkungen.
Unter folgendem Artikel könnt ihr mehr zu den Vorkommnissen in Zittau nachlesen: www.freiepresse.de/...corona-krise-erste-klinik-in-sachsen-wendet-triage-an...

Eines zeigen die aktuellen Debatten:
Die extrem hohen Inzidenzzahlen in manchen sächsischen Gemeinden erfordern eigentlich noch schärfere Maßnahmen, denn dort, wo die Inzidenz extrem hoch ist, lässt sich das Infektionsgeschehen nicht mehr eindämmen. Ministerpräsident Kretschmer hat aktuell geäußert, dass diese Gemeinden jetzt weiter untersucht werden, um Schlüsse auf das Infektionsgeschehen in ganz Sachsen zu ziehen. Weiterhin erklärt er, dass keine weiteren ausgangsbeschränkenden Maßnahmen beschlossen worden sind oder zur Diskussion stehen.
Nichtsdestotrotz möchte ich an Eure Vernunft appellieren und euch darum bitten, Kontakte – auch über die Weihnachtsfeiertage – zu minimieren.
Wir Sächs*innen müssen uns nun gemeinsam zur Seite stehen. Lassen Sie uns gemeinsam in persönlichem Kontakt bleiben, ABER unter Wahrung des Abstandes. Telefonanrufe, Familienvideokonferenzen oder einen lieben Brief können uns alle im Lockdown emotional unterstützen.
Gemeinsam schaffen wir es durch diese schwierige Zeit.