PM 2010-02: Grüne fordern Unterstützung für Solarbranche im Landkreis
Freitag, 2. April 2010
Der Zwickauer Landkreis und die Stadt Zwickau müssen die Solarbranche unterstützen
Nach einer erfolgreichen Veranstaltung „Zukunft der Solarbranche und Auswirkungen auf den Strompreis“ mit Vertretern der Zwickauer Energieversorgung am 26. März äußern sich die Grünen besorgt um die Zukunft der regenerativen Energieerzeugung. Sie fordern den Landkreis und die Stadt Zwickau auf, sich mit aller Kraft für den Erhalt der EEG-Einspeisevergütung auf einem Niveau einzusetzen, dass den Erhalt der Arbeitsplätze und regionalen Wertschöpfungskette in der Photovoltaikbranche im Zwickauer Landkreis ermöglicht.
„Jetzt ist auch die Kommunalpolitik gefragt. Landrat Christoph Scheurer und Baubürgermeister Rainer Dietrich müssen bei ihren Parteikollegen im Landtag und in Berlin für die regionale Solarbranche kämpfen!“, fordert Dr. Martin Böttger, Kreisvorsitzender der Grünen. „Eine zusätzliche Absenkung um 5-6 Prozent im Sommer ist das vertretbare Höchstmaß“.
Das angebliche Ziel der EEG-Absenkung, die Entlastung der Verbraucher, fällt nach Berechnungen des Umweltministeriums mit gerade mal 0,3 Cent je kWh sehr gering aus. Ab 2015 sinkt die EEG-Umlage ohnehin wieder.
„Eine radikale Absenkung der Einspeisevergütung hätte dagegen negative Folgen für den Landkreis und die Stadt Zwickau“, so Böttger.
Die sächsische Solarbranche wird mit der beabsichtigten "Sonder-Absenkung" der Solarstrom-Vergütung jedoch nach einer LBBW-Studie bereits ab der zweiten Jahreshälfte 2010 nicht mehr in der Lage sein, mit den ostasiatischen Photovoltaik-Herstellern mitzuhalten. Die Unternehmen müssten ihre Forschungs- und Entwicklungsetats kürzen. Sie brauchen diese Gelder jedoch dringend, da sonst die Technologieführerschaft insbesondere bei den effizienten Anlagen für Dächer und Fassaden verloren geht.
„Das heißt, auch die Produktionsanlagenbauer für die Herstellung von Solarzellen sowie viele mittelständische Unternehmen würden erhebliche Probleme bekommen. Einige hundert Arbeitsplätze gingen verloren. Eine wichtige Zukunftsbranche stünde vor dem Aus“, befürchtet Böttger.
Solarinstallateure, Planer und Zulieferer werden Umsatzeinbrüche zu verzeichnen haben. Für Solarbranche im Landkreis und der Stadt Zwickau bedeutet dies Arbeitsplatzabbau und deutliche Nachteile für den Standort. Außerdem gibt es in Zwickau mit der Westsächsischen Hochschule, Fachgebiet Elektrische Energietechnik, eine erstklassige Forschungseinrichtung.
Die Branche stellte selbst in der aktuellen Krise Mitarbeiter ein, während anderswo Leute entlassen wurden. Im letzten Jahr wurden mehr als 2 Milliarden Euro umgesetzt. Damit ist Sachsen einer der größten Produktionsstandorte in Deutschland und einer der weltweiten Technologieführer. Die Solartechnologie ist eine Zukunftstechnologie mit enormem Potenzial für die regionale Wirtschaft.
Hintergrund:
Der Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) will die EEG-Einspeisevergütung für Photovoltaik zum 1. Juli um weitere 16 Prozent reduzieren, obwohl die Vergütung schon am 1. Januar um 9 Prozent gesunken ist und im nächsten Jahr um weitere 9 Prozent sinken soll. Damit betragen die Kürzungen für Dachanlagen zwischen 01.01.2010 und 01.01.2011 absolut 24 Prozent. In der sächsischen Solarbranche sind jetzt 5.400 Arbeitsplätze bedroht. Den Investoren wird die Planungssicherheit entzogen und dem Klimaschutz ein wichtiges Anreizinstrument
Durch die im EEG festgelegte Einspeisevergütung wird die Solarenergie gefördert, damit diese in Zukunft einen erheblichen Anteil an einer umweltfreundlichen Energieversorgung übernehmen kann. Knapp 13 Prozent des sächsischen Stromverbrauchs werden derzeit aus erneuerbaren Energien gewonnen. Für Sachsen kann der Anteil am Stromverbrauch auf 27 Prozent bereits im Jahr 2020 ansteigen, wenn die derzeitigen Wachstumsraten beibehalten werden. Das ist ein beträchtlicher Beitrag zum Klimaschutz und hat für Sachsen mehrere ökonomische Vorteile:
Mit dem schnellen Wachstum sinken die Preise für die Stromerzeugung. Die EPIA (European Photovoltaik Industry Association) erwartet für Deutschland bereits im Jahr 2015 die sogenannte „Netzparität“ (Stand 2008), das heißt: die elektrische Energie aus einer Photovoltaikanlage kann zum gleichen Preis wie der Endverbraucherstrompreis angeboten werden. Danach wird der Sonnenstrom für die Verbraucher zur günstigen Alternative und eine höhere Vergütung nach EEG ist nicht mehr erforderlich.
Solaranlagen werden an vielen Standorten verteilt errichtet. Diese dezentrale Stromerzeugung entlastet die Netze, erhöht die Versorgungssicherheit und macht die sächsische Industrie und die Endverbraucher unabhängiger von der Marktmacht der vier großen Energiekonzerne. Der Wettbewerb nützt den Kunden.






