Demokratiedialog
Freitag, 3. Februar 2012
Erster Demokratiedialog Zwickau, 30.01.2012
„Wie tief sind die Wurzeln der Demokratie in die Herzen der Menschen eingedrungen?“ fragte Frank Richter, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung auf dem „1. Zwickauer Demokratiedialog“ am 30. Januar im Alten Gasometer vor 250 Zuhörern. Und er gab gleich selbst die Antwort: „Noch nicht tief genug!“ Zu viele Menschen stehen seiner Meinung nach der Entwicklung demokratischer Verhältnisse passiv gegenüber.
Zum 1. Zwickauer Demokratiedialog hatte das Bündnis für Demokratie und Toleranz eingeladen. Prominentester Gast war Ministerpräsident Stanislaw Tillich. Er wurde in Zwickau schon seit über zwei Monaten erwartet, nachdem am 4. November 2011 ein Haus in der Frühlingsstraße, das drei Terroristen als Unterschlupf gedient hatte, explodiert war. Nun wurden endlich am 30. Januar die Erwartungen der Zwickauerinnen und Zwickauer erfüllt (die Thüringer Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht hatte bereits im November durch ihre Teilnahme an einem Rockkonzert in Jena auf die furchtbaren Ereignisse reagiert). Immerhin hatte der sächsische Innenminister Markus Ulbig auf einer Großkundgebung am 25. November auf dem Zwickauer Georgenplatz vor fast 2000 Teilnehmern gesprochen.
Nun also der Demokratiedialog in Zwickau. Rainer Eichhorn, Ex-OB und Beiratsmitglied im Demokratiebündnis rief in seiner Begrüßung zu fortgesetztem Handeln auf. „Es hilft kein Impfstoff wie bei der Schweinegrippe“ sagte er im Hinblick auf die großen und kleinen Katastrophen der letzten Jahre. Er bat die Staatsregierung, den Lehrerinnen und Lehrern ausreichend Instrumente zur Prophylaxe gegen Rechtsextremismus an die Hand zu geben.
MP Tillich: „Dass Menschen unter uns leben, die anderen die Existenzberechtigung absprechen, ist unerträglich.“ Das hatte aber am 4. November bereits die Zwickauer Oberbürgermeisterin Pia Findeiß gesagt. So wie ihre Rede am 25. November inhaltsreicher als die von Innenminister Ulbig war, fand auch ihre Rede am 30. Januar wegen ihrer Aufrichtigkeit mehr Anklang als die Rede des Ministerpräsidenten. Das Zwickauer Demokratiebündnis erhielt wenigstens eine Förderzusage aus dem Mund des Landesvaters. Bis zum Eintreffen der Gelder müssen die engagierten Mitarbeiterinnen des Koordinierungsbüros Sabine Hiezke und Karina Wild aus den Rücklagen des Vereins Alter Gasometer bezahlt werden. Der Dialog wartet auf Fortsetzung.





