ADFC-Fahrradklimatest: Zwickau zum vierten Mal dabei - Note 4,3 bedeutet bundesweit Platz 90 von 98 bei den Städten zwischen 50.000 und 100.000 Einwohnern

Dienstag, 11. Juli 2017

Das Interesse am Radverkehr ist auch in Zwickau da, die Einschätzung der Radler und Radlerinnen über ihre Stadt allerdings ernüchternd. So war die Stadt 2016 das vierte Mal beim Fahrradklimatest „Hat Deine Stadt ein Herz fürs Rad?“ des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs e.V. (ADFC) dabei. 182 fahrradfahrende Zwickauer Bürgerinnen und Bürger haben sich an der Online-Umfrage des Fahrradclubs beteiligt und nach Schulnoten in 27 Unterkategorien die Fahrradfreundlichkeit ihrer Kommune detailliert bewertet. Insgesamt erhielt Zwickau die Note 4,3.

Wolfgang Wetzel, GRÜNER Bundestagskandidat hat sich die Ergebnisse des Fahrradklimatests für die Stadt genau angeschaut:

"Ich freue mich, dass sich immer noch viele Menschen in Zwickau für den Radverkehr als umweltschonende Mobilitätsform interessieren. 182 Menschen, die sich am Test in Zwickau beteiligt haben, sprechen eine deutliche Sprache für die Bedeutung des Radverkehrs in Zwickau."

"Die Zwickauer Ergebnisse sind allerdings sehr ernüchternd, aber realistisch: Bis man bequem, sicher und zügig in Zwickau Radfahren kann, muss noch sehr viel passieren. Zwickau erhielt nur eine Schulnotenbewertung von 4,3. Das bedeutet im bundesdeutschen Vergleich nur Platz 90 von 98 teilnehmenden Kommunen der Stadtgrößenklasse zwischen 50.000 und 100.000 Einwohnern. Eine Schülerin oder ein Schüler mit einer Note 4,3 wird mit „ausreichend“ bewertet – weit entfernt von „gut“ oder auch nur „befriedigend“. Das ist für mich ein ganz deutliches Signal, wie viel Luft nach oben bei der Radverkehrsförderung in Zwickau ist", so Wetzel.

Die beste Note gab es mit 3,5 in der Kategorie Erreichbarkeit des Stadtzentrums. Die Frage nach dem Winterdienst auf Radwegen wurde mit 4,8, die Führung an Baustellen für Radfahrer mit 4,9 benotet. Eine 5,1 bekam Zwickau für die mangelnde „Werbung für das Radfahren“ und eine 5,3 für ein fehlendes Fahrradverleihsystem.

"Hier deutliche Verbesserungen zu erreichen muss das gemeinsame Ziel der Verkehrspolitik vor Ort und des Freistaates sein. Dazu braucht es mehr Planungen für sichere Radverkehrsanlagen und Förderung des Landes."

Die aktuelle Antwort von Staatsminister Dulig auf eine Kleine Anfrage der GRÜNEN Landtagsfraktion fällt allerdings für Zwickau ernüchternd aus. Die Stadt hat in den letzten beiden Jahren zwischen 2015 und 2016 keine Fördergelder beim Land für kommunale Radverkehrsinfrastruktur beantragt.

„Das ist eine verpasste Chance. Denn von den jährlich 8 Mio. Euro Fördermitteln des Freistaates für kommunale Radverkehrsinfrastruktur sind von den Kommunen im letzten Jahr nur 20 Prozent abgerufen wurden. Hier sehe ich eine riesengroße Chance für Zwickau. Ich möchte die Stadtverwaltung ermutigen, hier ihre Planungen für Radverkehrsinfrastruktur voranzutreiben.“

Das Wirtschaftsministerium muss die Kommunen offensiv beraten und zu Anträgen ermutigen. Die Information, dass seit Anfang 2016 die Staatsregierung den Bau kommunaler Radwege mit bis zu 90 Prozent fördert, scheint viele kommunale Verwaltungen noch nicht erreicht zu haben. Auch an den Planungskosten beteiligt sich der Freistaat. Es ist höchste Zeit, dass das Wirtschaftsministerium endlich in einem kompakten, gut verständlichen Leitfaden planerische Hilfestellung für die Kommunen bereitstellt.

„Außerdem sehe ich Minister Dulig in der Verantwortung, die im Koalitionsvertrag 2014 versprochene Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Städte (AGFS) endlich zu gründen. Hier könnten sich Kommunen untereinander beraten und Fachwissen zu guten Beispielen bei der Radverkehrsförderung austauscht. Eine solche AGFS, wo sich würde auch eine Chance für Zwickau bieten.“

"Die Staatsregierung sollte jetzt nicht mit dem Finger auf die Kommunen zeigen, die beim Fahrradklimatest schlecht abgeschnitten haben, sondern diese besser stärker unterstützen. Eine weitere Zunahme des Radverkehrs als klimaneutrale, lärmfreie und kostengünstige Verkehrsart muss dringend gefördert werden. Sichere Radwege werden dafür dringend benötigt. Innerstädtische Straßen sind immer noch Unfallschwerpunkte für Radfahrer und Radfahrerinnen im Alltagsverkehr", erklärt Wetzel.

"Im Jahr 2016 verunglückten in ganz Sachsen insgesamt 3.881 Radfahrer und Radfahrerinnen. Davon wurden 25 getötet und 837 schwerverletzt."

Wer die Zahl der verunglückten Radfahrer und Radfahrerinnen senken will, muss deutlich mehr für eine sichere Infrastruktur tun. Woran es nicht nur im Landesamt für Straßenbau und Verkehr (LASuV), sondern auch in Kommunen wie Zwickau offensichtlich fehlt, sind ausreichende Planungskapazitäten und Fachkräfte, die sich ausschließlich mit Radverkehr beschäftigen.

Eigentlich hat Sachsen und haben Städte wie Zwickau ein großes Radverkehrspotenzial", so Wetzel.

Hintergrund:

Hier die Ergebnisse der Kommune Zwickau im Detail:

object-manager.com/om_map_fahrrad_if_2016/data/2016/Zwickau.pdf

Es wurde nach einem Schulnotensystem von 1=fahrradfreundlich bis 6 = nicht fahrradfreundlich bewertet.

Antwort von Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) auf die Kleine Anfrage der Landtagsabgeordneten Katja Meier (GRÜNE) "Ausgereichte Fördermittel im Haushaltstitel 07 06/ 883 17 Förderung Radverkehr einschließlich SachsenNetzRad im Jahr 2016" (Drs. 6/8714)

edas.landtag.sachsen.de/viewer.aspx

Antwort von Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) auf die Kleine Anfrage der Landtagsabgeordneten Katja Meier (GRÜNE) Ausgereichte Fördermittel im Haushaltstitel 07 06 883 17 Förderung Radverkehr einschließlich SachsenNetzRad in den Jahren 2014, 2015 und 2016 (Drs 6/5133)

edas.landtag.sachsen.de/viewer.aspx